Alina Khalil und Leonard Steinbeck.

Die „Talentschmiede“

Alina Khalil und Leonard Steinbeck gehörten vier Jahre lang dem Gütersloher Jugendparlament (JuPa) an und waren von 2015 bis 2017 dessen Sprecher. Das JuPa will sich in die Gütersloher Politik einmischen und die Wünsche, Ideen, Interessen und Probleme der Jugendlichen in Gütersloh aufgreifen und öffentlich machen.

Das neunte Jugendparlament nimmt die Arbeit auf

 Gerd Ebbing ist Experte, wenn es um das gesellschaftliche Engagement von Kindern und Jugendlichen in Gütersloh geht. Bei Facebook hat er am 13. Juli 2017 gepostet: „Und wieder ein neues Jugendparlament gewählt. Schon das neunte. Und das dreizehnte JuPa wird mich dann in Rente schicken.“ In diesen Zeilen schwingen Leidenschaft für die berufliche Aufgabe, Gelassenheit und Humor mit. Diese Eigenschaften zeichnen Gerd Ebbing aus. Der Sozialarbeiter ist seit vielen Jahren in der Abteilung Jugendförderung beschäftigt und begleitet seit der Gründung im Jahr 2001 das Jugendparlament der Stadt Gütersloh.

„Die Jugendlichen sind politischer geworden“

 In den letzten Jahren hat Gerd Ebbing beobachtet, dass bei den Jugendlichen die Bereitschaft zum Engagement und zur Auseinandersetzung mit politischen Themen deutlich zugenommen hat. Zwei Vertreter dieser neuen Generation sind die 19-jährige Alina Khalil und der 20-jährige Leonard Steinbeck. Die beiden gehörten dem Jugendparlament von 2013 bis 2017 an. „Ihr Amt haben sie mit hoher Motivation ausgeübt und zahlreiche Projekte maßgeblich vorangebracht“, lobt Gerd Ebbing. Nach dem altersbedingten Rückzug aus dem JuPa im Sommer begleiten sie nun mit ihrer Erfahrung das 9. Jugendparlament als Honorarkräfte.

Alina und Leonard sind Interessenvertreter

Alina und Leonard können bereits mit jungen Jahren auf eine längere politische Karriere zurückblicken. Nicht im parteipolitischen Sinn sondern als Interessenvertreter von Schülern und Jugendlichen in Gütersloh. Alina engagierte sich zunächst in der neunten und zehnten Klasse in der Schülervertretung der Elly-Heuss-Knapp-Realschule. Auch in den zwei Jahren bis zum Fachabitur am Reinhard-Mohn-Berufskolleg war sie in der Schülervertretung aktiv. Jetzt absolviert sie eine Ausbildung bei Bertelsmann – und engagiert sich selbstverständlich in der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) im Corporate Center. Wer weiß, vielleicht sitzt sie später einmal als Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsrat von Bertelsmann.

„Meine Wahl ins JuPa hat sich als Glücksgriff herausgestellt“

Auch Leonard kam mit seinen Erfahrungen in der Schülervertretung der Anne-Frank-Gesamtschule ins Jugendparlament. Für das JuPa hat er aus „Jux und Dollerei“ kandidiert. „Die Wahl ins Jugendparlament hat sich für mich als Glücksgriff herausgestellt“, sagt Leonard. Er habe unglaublich viel gelernt und persönlich stark davon profitiert. Das JuPa hat er als „Talentschmiede“ wahrgenommen und ist anschließend in die SPD eingetreten. Dabei mag auch eine Rolle gespielt haben, dass er im Jahr 2014 den sozialdemokratischen Abgeordneten Hans Feuß für drei Tage im sogenannten Jugendlandtag in Düsseldorf vertreten durfte. Derzeit arbeitet der 20-jährige als freier Mitarbeiter bei Radio Gütersloh. Im Juli hat er Abitur gemacht und möchte auf jeden Fall studieren: Journalismus, Sozial- oder Politikwissenschaften. Das sind keine schlechten Voraussetzungen für die weitere politische Karriere.

„Gütersloh engagiert“

Das Gütersloher Jugendparlament ist eine Erfolgsgeschichte. Zu den Projekten, die ständig begleitet werden, gehört „Gütersloh engagiert“. Jeweils im September eines Jahres können die Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen an einem Tag ehrenamtlich arbeiten. Im Gegenzug spenden die „Arbeitgeber“ (lokale Unternehmen oder gemeinnützige Organisationen) für soziale Projekte. Beim letzten Aktionstag im Jahr 2016 kamen knapp 20.000 Euro zusammen.

Aktuelle politische Themen werden aufgegriffen

Zu den weiteren ständigen Projekten gehören das Jungendkulturfestival und die Kondom-Aktion zum Welt-Aids-Tag. Selbstverständlich werden auch aktuelle politische Themen wie die Flüchtlingsproblematik aufgegriffen. Als immer mehr Jugendliche aus den Krisengebieten nach Gütersloh kamen, organisierte das JuPa ein Willkommensfest, gemeinsame Fahrten in Freizeitparks oder einen Kino-Tag im Bambi.

„Worüber redet ihr da eigentlich“

Zu den im Rathaus vertretenen politischen Parteien besteht ein gutes Verhältnis. Viele Ratsherren und -frauen lassen sich bei den Sitzungen des Jugendparlaments blicken und versuchen gelegentlich, hier ihren Nachwuchs zu rekrutieren. Das JuPa hat auch einen Sitz im Jugendhilfeausschuss und im Bildungsausschuss. „In den ersten beiden Jahren habe ich mich oft gefragt, worüber redet ihr da eigentlich“, erinnert sich Leonard Steinbeck. Inzwischen versteht er das Geschäft und hat sogar einen eigenen Youtube-Kanal. Auf „PoliWhat“ erklärt er, wie Politik gemacht wird.

Weiterführende Links:
www.jupa-gt.de
www.guetersloh.de/Z3VldGVyc2xvaGQ0Y21zOjI3MjM5.x4s