Danielle Truchet im Gespräch in Nahaufnahme.

Die überzeugte Europäerin

Danielle Truchet ist 2. Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft (DFG) in Gütersloh. Ziel des Vereins ist die Förderung des kulturellen Austausches zwischen den beiden Nachbarländern. Ganz besonders gepflegt werden die Beziehungen zu den Bürgern von Châteauroux, der Partnerstadt Güterslohs im Herzen Frankreichs.

Von Valence nach Rietberg

Valence liegt am linken Ufer der Rhone zwischen Lyon und Marseille. Die Stadt mit ihren rund 60.000 Einwohnern gilt als nördliches Tor zur Provence. Der letzte Besuch von Danielle Truchet in ihrer Heimat liegt noch nicht lange zurück. Anlass war der 95. Geburtstag ihrer Mutter. Jetzt wohnt die 65jährige Französin, die mit einem Architekten verheiratet ist, in Rietberg. Ganz in der Nähe des Geländes der Landesgartenschau. 985 Kilometer von Valence entfernt.

Auf nach Deutschland – „der Arbeit und der Liebe wegen“

Nach Deutschland kam Danielle Truchet im Alter von 20 Jahren - „der Arbeit und der Liebe wegen“. Zunächst war sie in einer Unternehmensberatung in Düsseldorf tätig. Dann führten sie private Gründe nach Gütersloh. Fast dreißig Jahre arbeitete Danielle Truchet bei Bertelsmann, zuletzt in der Personalabteilung von Sonopress. Nach dem Eintritt in den Ruhestand wollte sie sich ehrenamtlich engagieren.

In die Vorstandstätigkeit „hereingerutscht“

In der Lokalpresse las Danielle Truchet vor knapp drei Jahren ein Interview mit Wolfgang Hellmeier, der zu dieser Zeit die Deutsch-Französische Gesellschaft in Gütersloh gründete. Sie nahm Kontakt zu ihm auf und ist seither für den Table ronde verantwortlich, einem monatlich stattfindenden Diskussions-Zirkel. „In den Vorstand bin ich irgendwann ‚hereingerutscht‘“, sagt die sympathische, unprätentiöse Französin mit doppelter Staatsbürgerschaft. Ihre Aufgaben bei der DFG sieht sie als Ausgleich und Ergänzung zu einem zweiten Ehrenamt. Danielle Truchet engagiert sich auch als Sterbe- und Trauerbegleiterin in der Hospizgruppe Rietberg.

„Wir sind kein Konversationskurs“

Die DFG hat inzwischen fast 80 Mitglieder. Alle haben eine große Affinität zu Frankreich. Man liebt die Sprache, die Kultur, die Küche und pflegt den Kontakt mit Freunden oder Verwandten. Diese Vorlieben spiegeln sich auch im Programm und den Aktivitäten des Vereins wieder. Dazu gehören gemeinsame Kino-, Konzert- oder Ausstellungsbesuche von französischen Künstlern, der regelmäßige Koch-Club, Reisen in die Gütersloher Partnerstadt Châteauroux und der von Danielle Truchet organisierte Table ronde. Gesprochen wird Deutsch oder Französisch. Dazu treffen sich die Mitglieder und interessierte Gäste monatlich in den Räumen der Volkshochschule. „Wir sind kein Konversationskurs. Jeder kann kommen, der sich für unsere Themen interessiert“, sagt die überzeugte Europäerin.

Das Deutschlandbild der Franzosen

Gefragt nach dem Deutschlandbild der Franzosen unterscheidet Danielle Truchet zwischen dem Blickwinkel, den Medien und Politik der Bevölkerung vermitteln und ihren persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen. „In Frankreich heißt es: Deutschland geht es gut, Deutschland macht alles richtig, Frau Merkel ist super“, sagt sie mit einem Lächeln. Insgesamt werde das Gefühl vermittelt, Deutschland werde besser gemanagt als Frankreich unter Präsident Hollande.

Macron ist überzeugter Europäer

Seit den letzten Wahlen in Frankreich hat das Interesse von Danielle Truchet an Politik deutlich zugenommen. Wie viele andere Franzosen setzt sie ihre Hoffnungen auf den neu gewählten Staatspräsident Emmanuel Macron – „auch wenn es Einschnitte geben wird“. Als ehemalige Betriebsrätin bei Sonopress weiß sie, dass das manchmal notwendig ist, um die Zukunft zu sichern. „Macron ist überzeugter Europäer. Das ist gut und wird Frankreich und die EU voranbringen“, ist Danielle Truchet überzeugt.

Französische Mentalität und deutsche Tugenden

Sie selbst habe Deutschland viel zu verdanken. Das Leben hier hat sie sehr geprägt. „Grundsätzlich habe ich die französische Mentalität, die Dinge nicht zu ernst zu nehmen und etwas lockerer zu sein. Hier habe ich gelernt, diese Eigenschaften mit klassischen deutschen Tugenden zu verbinden“, sagte Madame Truchet mit einem Augenzwinkern. Das ist eine ganz wunderbare Basis für ihr ehrenamtliches Engagement in der Deutsch-Französischen Gesellschaft. 

Weiterführende Links:
www.dfg.guetersloh.net/ 
www.dfg-berlin.de/