In einer Turnhalle. Sabine Röhrs hält einen roten Ball in ihren Händen.

Immer Kurs halten

Sabine Röhrs (55) ist die erste Frau an der Spitze des traditionsreichen Gütersloher Turnvereins von 1879 (GTV) mit über 2.500 Mitgliedern in 16 Abteilungen. Ehrenamtliches Engagement ist für sie eine „Bürgerpflicht“.

Wissen, woher der Wind weht

Sabine Röhrs ist passionierte Seglerin. Sie weiß, woher der Wind weht und beherrscht alle Manöver: Wenden, Kreuzen, die Halse oder Beidrehen und vor allem, immer Kurs halten. Ein „riesengroßes Schlachtschiff“ wie den Gütersloher Turnverein zu kommandieren, war nie ihr Plan. Als der alte Vorstand im Mai 2015 nicht mehr antreten wollte und kein anderer bereit war, die Verantwortung zu übernehmen, erfuhr sie davon erst „drei Minuten vor Zwölf“. „Kannst Du das nicht machen?“, sei sie gefragt worden. Nach positiven Rückmeldungen aus ihrem Unternehmen und der Familie ging sie an Bord.

Die Konjunktur brummt

Dynamisch und Energie geladen betritt die sportliche Frau mit den blonden Haaren, blauen Augen und dem gewinnenden Lachen das Besprechungszimmer ihres Unternehmens. Sie ist geschäftsführende Gesellschafterin der auf Kunststoff- und Metallverarbeitung spezialisierten Mertens-Gruppe. Der Betrieb mit seinen rund 130 Beschäftigten an vier Standorten ist als Zulieferer der Automobil-Industrie vor allem für die Volkswagen-Gruppe tätig. Produziert werden Verriegelungssysteme für Motorhauben und Heckklappen. „Wir sind ganz erfolgreich und gehören zu den A-Lieferanten“, sagt Sabine Röhrs. Der Wettbewerb ist knallhart aber die Konjunktur brummt.

„Das ist ja ein Fulltime-Job“

Seit etwas mehr als zwei Jahren ist sie nun die Vorsitzende des GTV. „Ich führe den Verein unternehmerisch“, betont Sabine Röhrs. Man habe ihr gesagt, dass sei nicht viel Arbeit, 2 oder 3 Stunden in der Woche. Doch schnell habe sie gemerkt, „wow, das ist ja ein Fulltime-Job“. Mit dem neuen Vorstand arbeitet sie gern und gut zusammen. Nach der wirtschaftlichen Konsolidierung geht es auch darum, dem Verein eine gemeinsame Identität zu geben. Das ist bei einem heterogenen Gebilde wie dem GTV mit mehr als 2.500 Mitgliedern in 16 Abteilungen nicht ganz einfach. Von „B“ wie Badminton bis „W“ wie Wandern reicht das Sportangebot. Sogar ein Gesangverein gehört dazu, denn auch singen macht fit, wie es auf der Homepage heißt.

Vorbild sein – sich überall blicken lassen

„Ehrenamt ist eine Bürgerpflicht“, davon ist Sabine Röhrs überzeugt. Wenn jeder nur auf sich selbst bezogen sei, komme die Gesellschaft nicht voran. Den vielen ehrenamtlich im GTV Engagierten mutet sie mit ihrer Art zu führen einiges zu. „Ich bin zielstrebig und arbeite die Baustellen mit aller Kraft ab. Ich komme mit einer Schaufel und sage, wir fangen an und morgen ist die Baustelle abgeräumt“, beschreibt sie ihre Arbeitsweise. Ganz wichtig sei es, Vorbild zu sein und sich möglichst überall blicken zu lassen: „Ich gehe zum Pfingstkonzert, mache mit beim Rudelsingen, gehe mit den Wanderern auf Tour, schaue mir die Basketball-, Handball- oder Volleyball-Spiele an, verbreite Zuversicht und zeige den Verantwortlichen, dass ich hinter ihnen stehe.“

Neue Projekte anschieben

Die Zwischenbilanz der ersten Vorsitzenden des GTV kann sich sehen lassen. Immer wieder schiebt sie neue Projekte an. Als sie Ende 2015 über ihren Sohn mitbekam, dass am Evangelisch Stiftischen Gymnasium der Sportunterricht wegen Elternzeit und bedingt durch Erkrankungen einiger Lehrer auszufallen drohte, bahnte Sabine Röhrs eine Kooperation mit dem GTV an. Übungsleiter aus mehreren Abteilungen sprangen ein und sicherten das Bewegungsangebot in den Jahrgängen fünf bis neun. So lernten die Schüler auch das vielfältige Angebot des Sportvereins kennen. „Das war eine Win-win-Siuation für beide Seiten“, freut sich Sabine Röhrs noch heute.

Mitglieder überzeugen

Auch bei dem Kauf der Tennishalle am Postdamm im Jahr 2016 führte sie die Regie. Das Grundstück gehörte bereits dem GTV. Als sich die Möglichkeit ergab, die Halle zu erwerben und selbst zu bewirtschaften, überzeugte sie die Mitglieder von dieser Investition. „Das hat sich auch finanziell ausgezahlt“, sagt die erfolgreiche Unternehmerin. „Wer in der hart umkämpften Automobil-Branche seine Ziele erreicht, der wird ja wohl eine Tennishalle führen können.“

Zukunft des Dalke-Laufs gesichert

Mit ihrem vorerst letzten Coup hat Sabine Röhrs die Zukunft des Dalke-Laufs gesichert. Nachdem sich die Freizeit-Lauf-Gruppe (FLG) Gütersloh als Ausrichter aus personellen Gründen zurückziehen musste, sprang der GTV ein. Wenn der 36. Dalke-Lauf im März 2018 am Reinhard Mohn Berufskolleg gestartet wird, verfolgt Sabine Röhrs längst wieder ein neues Projekt.

Weiterführender Link: 
www.guetersloher-turnverein.de/