Elke Corsmeyer in der Gütersloher Bibliothek.

Literatur aus Leidenschaft

Elke Corsmeyer ist Vorsitzende des Literaturvereins Gütersloh. Zweck dieses Zusammenschlusses mit seinen aktuell 134 Mitgliedern ist die ideelle und finanzielle Förderung der Stadtbibliothek auf ehrenamtlicher Basis. Seine Mittel sollen dazu beitragen, die Bibliothek im Herzen Güterslohs zeitgemäß auszustatten und zu einem kulturellen Zentrum der Stadt auszubauen.

Zeitreise in die Vergangenheit

Beginnen wir mit einer Zeitreise in die Vergangenheit und einer Vermutung: In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hätte Elke Corsmeyer mit großer Wahrscheinlichkeit einen literarischen Salon geführt. Wie Rahel Varnhagen in Berlin hätte sie den Schriftstellern der europäischen Aufklärung ein Forum gegeben und sich für die Emanzipation der Frauen engagiert. Jean Paul, Ludwig Tieck, Alexander von Humboldt oder Heinrich Heine wären bei ihr ein und ausgegangen.

Eine leidenschaftliche Literaturliebhaberin

Für die Kulturszene in Gütersloh ist es ein Glück, dass die leidenschaftliche Literaturliebhaberin im 21. Jahrhundert lebt. Schon seit Jahren organisiert sie in ihrer Buchhandlung im historischen Weberhaus in der Münsterstraße und an anderen Orten der Stadt Lesungen mit mehr oder weniger bekannten zeitgenössischen Schriftstellern. Ihre zahllosen Freundschaften und Kontakte, ihr breit gefächertes Wissen und ihre großen Erfahrungen im Literaturbetrieb bringt Elke Corsmeyer auch in ihr Ehrenamt ein. Seit dem Jahr 2003 ist sie Vorsitzende des Gütersloher Literaturvereins.

Bürger-Lobby für die Stadtbibliothek

Präzise beschrieben wird der Vereinszweck im Untertitel: „Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Gütersloh e.V.“. Aus der Taufe gehoben wurde der Verein, als nach den „finanziell goldenen Zeiten die etwas eisigeren Zeiten kamen“, erinnert sich die Vorsitzende. Der tiefere Sinn sei es zunächst gewesen, Spenden zu sammeln, Sponsoren zu gewinnen und „Projekte anzuschieben“. Nach und nach kamen Veranstaltungen und Formate wie regelmäßige Lesungen, der „Literatursommer“, „Gütersloh liest“ oder der „Literaturkreis“ hinzu. Als die Schulbibliotheken vom Rotstift bedroht waren, wurde der Verein zur Bürger-Lobby. Mit Unterschriftensammlungen und Demonstrationen konnte man die geplanten Schließungen verhindern.

Einen Schatz gehoben

Da das Geld immer knapp war, wurde gemeinsam mit dem damaligen Bibliotheksdirektor Wolfgang Sieveking die Idee geboren, einen ganz besonderen Schatz zu heben – und zu versilbern. Denn in jeder Ecke der Bibliothek standen Kunstwerke wie Gemälde, Grafiken oder Poster herum. Die Artothek war in den achtziger Jahren im Rahmen der Demokratisierung von Kunst angeschafft worden und „produzierte nur noch Staub“. Nun wurden die Arbeiten mit großem Aufwand gereinigt, fotografiert, katalogisiert und in der Vorweihnachtszeit des Jahres 2011 versteigert. „Das war ein gutes Timing. Wir haben über 30.000 Euro eingenommen“, freut sich Elke Corsmeyer noch heute. „Dann war die Bude leer und die Leute waren glücklich.“

Große Affinität zu jüdischen Schriftstellern

Man muss schon vergleichsweise hartnäckig sein, um Elke Corsmeyer einen ihrer Lieblingsautoren zu entlocken. „Ich habe eine große Affinität zu jüdischen Schriftstellern“, sagt sie und nennt den Namen des Regisseurs und Schriftstellers Michel Bergmann („Die Teilacher“). Auch der von der Literaturkritik gefeierte junge Autor Benedict Wells („Vom Ende der Einsamkeit“) gehört zu ihren Favoriten. Während die Buchhändlerin Elke Corsmeyer bei der Einladung von Schriftstellern „ihren Neigungen frönen kann“, achtet die Vorsitzende des Literaturvereins bei den Veranstaltungen in der Stadtbibliothek stärker auf die Wünsche der Zielgruppen. Dazu gehören etwa die Werke des früheren Stern-Korrespondenten Jan-Philipp Sendker oder der Fernsehjournalistin Antonia Rados.

„Literatur war schon immer meine Leidenschaft“

Ihre Begeisterung für die Literatur konnte Elke Corsmeyer erst nach einem Schicksalsschlag hauptberuflich ausleben. Im Februar 1995 starb ihr Vater, der viele Jahre als Rechtsanwalt und Notar in Gütersloh tätig war. Aus tiefer Zuneigung zu ihm hatte sie Jura studiert und in seiner Kanzlei mitgearbeitet, „obwohl meine Leidenschaft immer die Literatur war“. Bereits vor seinem Tod mussten beide den Niedergang einer örtlichen Buchhandlung miterleben. In diese Zeit fiel die Entscheidung, sich in der Branche selbständig zu machen. Gemeinsam mit ihrem Lebenspartner, dem Architekten und Vorsitzenden des Kunstvereins, Friedrich-Wilhelm Schröder, renovierten sie zunächst ein altes Fachwerkhaus in der Kökerstraße. Später folgte der Umzug in das deutlich größere Weberhaus.

14 Jahre an der Spitze des Literaturvereins

Zurück zu ihrer Rolle im Literaturverein. Bereits vor der Gründung im Jahr 2003 war sie angesprochen worden, ob sie den Vorsitz übernehmen wolle. „Dann habe ich mich gefragt, wer den besten Draht zur Literatur hat und hier gerufen“, sagt Elke Corsmeyer selbstbewusst. „Die Stadtbibliothek hat durchaus davon profitiert, dass eine Buchhändlerin wie ich den Willen zur Macht hatte.“ Jetzt ist sie 14 Jahre an der Spitze des Vereins und denkt noch nicht ans Aufhören. Dabei orientiert sie sich offensichtlich am Leitspruch eines ihrer Lieblingsschriftsteller. Auf der Homepage von Michel Bergmann wird der Satz hervorgehoben: „Nachdem ich einmal angefangen hatte, gab es kein Halten mehr.“

Weiterführende Links:
https://webopac.stadtbibliothek-guetersloh.de/index.aspx
http://www.buchhandlung-markus.de/