Ein THW-Team übt die Bergung einer verletzten Person aus einer Grube mittels Seilwinde

Wie eine große Familie

Katja Seebald (30) arbeitet als Jugendbetreuerin bei der Ortsgruppe des Technischen Hilfswerks (THW) in Gütersloh. Die Organisation mit bundesweit rund 80.000 ehrenamtlich aktiven Helfern steht der Bevölkerung in Not- und Unglücksfällen zur Seite.

Felix ist mit acht Monaten das jüngste Mitglied beim THW

Felix Seebald ist acht Monate alt und das jüngste Mitglied im THW-Ortsverband Gütersloh. Er sitzt fröhlich in seinem Maxi-Cosi auf einem Tisch im Schulungsraum des Vereinsgeländes in Spexard. Für seine Mutter Katja Seebald ist der Ortsverband wie eine große Familie. Hier hat sie ihren Ehemann André kennen gelernt. Er leitet den Ortsverband. Auch ihr Bruder Michael Wichmann und ihr Schwager Christian Seebald gehören zu den rund 75 aktiven Mitgliedern im THW Gütersloh.

Logistik, Industrie-Trockner und Gulaschkanonen

Katja Seebald gehört dem Ortsverband seit 18 Jahren an und ist für die Nachwuchsarbeit verantwortlich. Sie betreut und schult die derzeit 25 Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 18 Jahren. Worte wie Detonation, Gerüst-System, Logistik, Industrie-Trockner oder Gulaschkanone kommen ihr locker über die Lippen. Sie hat großen technischen Sachverstand, liebt ihr Ehrenamt und steckt andere mit ihrer Begeisterung an.

Teamfähigkeit erlernen – Kameradschaft erleben

Die Jugendgruppe trifft sich alle zwei Wochen am Samstagnachmittag zwischen 14.00 und 18.00 Uhr. Dort werden die Kinder und Jugendlichen von Katja Seebald und den anderen Betreuern in spielerischer Form an die Technik des THW herangeführt. Zur Ausbildung gehören Aufgaben wir Stegebau, Transport von Verletzten oder Ausleuchten von Einsatzstellen. Um Teamfähigkeit und Kameradschaft zu fördern, nimmt man an Wettbewerben teil und fährt gemeinsam ins Zeltlager. Nach ihrer Grundausbildung wechseln die jungen Erwachsenen dann mit 18 Jahren in den aktiven Dienst.

Für Spannung ist gesorgt

Und da ist für Spannung gesorgt – manchmal sind die Einsätze auch nicht ganz ungefährlich. Darauf weisen schon die Kooperationspartner Polizei und Feuerwehr hin, die oft auf die Unterstützung des THW angewiesen sind. „Zuletzt wurden wir von der Feuerwehr angefordert, als eine Gasexplosion im März das Hotel Jägerhof in Verl zerstörte“, erinnert sich Katja Seebald. „Als der Inhaber morgens in der Küche das Licht einschalten wollte, gab es eine mächtige Detonation. Dadurch wurde die komplette Rückwand des Gebäudes weggesprengt.“ Die THW Ortsgruppe konnte nach den Löscharbeiten durch ein spezielles Gerüst-System verhindern, dass das Gebäude in sich zusammen stürzte.

„Ich wollte Menschen helfen“

Über die Frage, wie ein kleines Mädchen mit 12 Jahren zu einem so technisch ausgerichteten Verein kam, muss Katja Seebald schmunzeln. „Ich wollte Menschen helfen und habe mich zunächst an das Rote Kreuz gewandt“, sagt sie. „Da es dort keine aktive Jugendarbeit gab, hat ein Bekannter zu meiner Mutter gesagt, beim THW gibt es eine Jugendgruppe. Sie kann doch dort mitmachen.“  Das hat sie nie bereut. Sie findet ihr Ehrenamt herausfordernd und spannend. Mehrfach war sie auch bei internationalen Großveranstaltungen dabei – etwa im Jahr 2005 beim Weltjungendtag in Köln und sogar beim G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm.

Großeinsatz beim  G8-Gipfel in Heiligendamm

„Hier haben wir die Logistik für die insgesamt 500 THW-Helfer aus 150 Ortsverbänden unterstützt“, sagt Katja Seebald nicht ohne Stolz. „Wir verfügen über einen Container mit einer Industrie-Waschmaschine und einem –Trockner. Damit haben wir zwei Wochen lang rund um die Uhr die Bekleidung der Helfer gewaschen und mit unserer Feldküche für die Verpflegung gesorgt.“ 

Beim THW arbeiten 99 Prozent aller Helfer ehrenamtlich

Als der damalige Innenminister und spätere Bundespräsident Gustav Heinemann im Jahr 1950 das THW gründete, hat er sicher nicht geahnt, welche Verantwortung junge Frauen einmal in dieser modernen Hilfsorganisation übernehmen würden. 99 Prozent aller 80.000 Helferinnen und Helfer im THW leisten ihre Arbeit ehrenamtlich. In 18 Jahren wird Felix Seebald nach seiner Grundausbildung seinen Dienst aufnehmen – ausgebildet von der eigenen Mutter.

Weiterführender Link:

www.ov-guetersloh.thw.de/start/